Nun sitzen wir beide hier. In unserem Lieblingscafé. Das mit den gemütlichen Sesseln und den alten Holztischen. Wie viele Stunden haben wir hier wohl miteinander verbracht? Du Minztee und ich Kaffee schwarz. Vertieft in unsere Projekte. In unser Leben. Nicht, dass was wir teilten, sondern unser eigenes. Haben manchmal gar nicht miteinander geredet. Uns nur ab und an angeschaut. Dann hast du meistens gelächelt. Brauchten auch nicht reden, weil Worte irgendwie nicht wichtig waren. Dein Lächeln war einfach genug.

Und nun ist da diese Stille zwischen uns. Sonst war sie immer so vertraut und beruhigend. Fühlte sich ein wenig wie zu Hause an. Nun find ich sie unerträglich. Sitzt gegenüber von mir. Einfach so. Nach Monaten von Funkstille. Monate nachdem du gegangen bist. Nachdem du für dich entschieden hattest, dass es nichts mit uns werden könnte. Dass irgendwie die Luft raus ist. Dass du mehr Zeit für dich brauchst. Herausfinden willst, was du vom Leben erwartest und vor allem von dir selbst. Dass es sich nicht richtig anfühlt. Ich hab dich damals gefragt, was denn überhaupt richtig sei. Wie sich denn anfühlt, wenn etwas richtig ist. Darauf hast du mir bis heute noch keine Antwort geben können.

Und es ist abstrus, wie es sich alle wie immer anfühlt. Wie immer und doch komplett anders. Reden über belanglose Kleinigkeiten. SmallTalk, etwas was wir beide so gar nicht mögen und auch gar nicht so können. Kann es irgendwie noch gar nicht begreifen. So surreal ist das Ganze hier. Deine Jacke hast du noch angelassen. Deine Schultern wirken angespannt. Sagst mir dann aus dem Nichts, dass du Jemanden kennen gelernt hast. Frage mich in diesem Moment, wieso ich eigentlich diese Idee hatte, dass wir beide uns wieder sehen sollten. Auf meine What’s App Nachricht in der Silvesternacht, ob wir uns nicht vielleicht nochmal sehen wollten kam damals pronto von dir ein lockers: „Ja klar, voll gerne“ zurück!“ War wohl einer dieser Momente die ich meinem alkoholisierteren Herzen und ein wenig der Einsamkeit zuschreiben, anstatt der Vernunft und klarem Verstand.

Sitze hier nun mit meinem Kaffee in der Hand. Schaue dem Dampf nach wie er langsam aufsteigt. Wärme meine Hände an der Tasse. Höre mir deine Stories an. Erzählst mir, wie du ihn kennengelernt hast. Wie er so ist. Zeigst mir ein Bild auf deinem Handy. Warum wollte ich das noch mal wissen? Ach so, stimmt ja, wollte ich ja gar nicht. Aber so ist das ja meistens mit dem Selbstbetrug.

Denn selbst nach all den Monaten. Nach unendlichen Gesprächen zwischen mir, meinem Herz und meinem Verstand. Selbst nach der Einsicht, dass es einfach nicht sein sollte. Selbst nach all dieser Zeit, ertappe ich mich dabei, wie ich mir wünsche, dass ich er sein könnte. Dass ich die Person bin, von der du sprichst. Die Person bin, die deine Augen wieder so strahlen lässt. Der du dein verschmitztes Lächeln schenkst. Von der du Bilder deinen Freunden zeigst. Die du anrufst, wenn du nachts mal wieder nicht schlafen kannst, weil dich die Alltagsgeister plagen. Klar, mag ich dich noch immer. Sehr sogar. Hab dich ja mal sogar vielleicht geliebt.

Doch irgendwann holt die Realität wohl einen ein. Zerschlägt die Illusion, die man noch voneinander hatte. Irgendwann kommt der Moment, wo man merkt, dass die andere Person schon längst weitergezogen ist und man selbst noch an dem Ort stehen geblieben ist, den man einst geteilt hatte. Der Moment, in dem man seinen Ballast einfach hinter sich lassen und nach Vorne blicken muss. Und dieser Moment. Dieses irgendwann, ist genau jetzt.

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