Beziehungsstatus: Selbst mein Schlaf hat mich verlassen.

Nun wälzt du dich schon seit Stunden hin und her. Legst deine Kissen wieder zu Recht. Drehst das Kissen um, damit die kühle Seite oben liegt. Rollst dich von der linken Seite auf die rechte Seite und wieder zurück. Dann auf deinen Bauch mit den Händen unter dem Kissen. Dann doch auf den Rücken mit einem Bein angewinkelt. Strampelst die Decke weg, weil dir irgendwie zu warm wird. Ziehst sie aber wieder nach wenigen Minuten bis unter dein Kinn und vergräbst dich tief in der wiedergewonnen Wärme.

Nimmst dein Handy in die Hand und schaust mit zugekniffenen Augen auf die Uhr. Fragst dich, wie es schon wieder 3.30 Uhr geworden ist und warum du eigentlich nicht schlafen kannst. Gehst in Gedanken deinen Tag durch. Rekonstruierst deine Schritte am Abend. Kaffee hattest du doch gar keinen mehr getrunken. Und auch von der Cola und dem Red Bull lässt du ja schon länger die Finger weg. Sollte ich es vielleicht mit Kamillentee demnächst probieren? Oder Meditation? Oder ist vielleicht das Koffein gar nicht mein Problem. Ist es vielleicht das fehlende Dopamin seit dem er nicht mehr da ist? Seit dem was fehlt. Dem Einen ist es egal. Der Andere kann deshalb nicht schlafen, denkst du dir. Und der Andere bist mal wieder du. Fängst an zu grübeln. Was soll man auch sonst um die Uhrzeit machen? Fragst dich, ob noch jemand Anderes gerade wach ist. Gerade, zu dieser Sekunde auch im Bett liegt und nicht schlafen kann. Wünschst dir, dass jemand da wäre mit dem du reden könntest. Wobei, was würdest du dann überhaupt sagen.

„Hey, bist du öfters hier? In diesem Zustand der Schlaflosigkeit. Dem Limbus zwischen Traumwelt und Realität. Gut schaust du aus!“

Fängst an mit dir selbst zu reden. Viel schlimmer kann es ja eh nicht mehr werden.

„Schlaf ein!“, sagst du zu dir.

Wenn du nur fest daran glaubst, dann klappt das schon. Tief einatmen, Augen schließen und ausatmen. Verfluchst dich selbst, denn schlafen tust du immer noch nicht. Atmest nur so laut wie nach einem Marathon-Lauf. Gehst Richtung Küche und öffnest den Kühlschrank. Schaust in das grelle, gelbe Licht von Leere. Hast aber eigentlich gar keinen Hunger. Sowie dein Magen ist auch dein Kopf einfach viel zu voll. Fragst dich, ob du nicht einfach zu viele Gedanken für jemanden mit Mitte 20 hast. Nimmst nochmal dein Handy in die Hand, öffnest Instagram und scrollst durch die Bilder. Schaust dir all die Menschen an, wie sie in die Kamera lachen an tropischen Urlaubszielen. Siehst Bilder von Frühstück im Bett mit Kaffee und Croissant während die Hochglanzeinrichtung schön drapiert im Hintergrund inszeniert ist. Inszenierter Selbstbetrug? Betrügerische Selbstdarstellung?

Stellst dir zu Sicherheit noch einen vierten Wecker, denn den ersten wirst du definitiv verschlafen. Denkst an die Zeiten zurück wo schlafen noch einfach war. Als schlafen deine Lieblingsbeschäftigung war. Wo es nichts schöneres gab, als Abends nach Hause zu kommen, dich ins Bett zu legen und dich in deine Traumwelt zu begeben. Wobei es kein flüchten war. Nicht so wie jetzt. Öffnest deinen Laptop und schaltest noch eine Folge Big Bang Theory an. Einfach nur um die Stille zu durchbrechen. Schwörst dir selber, dass du morgen Abend früher ins Bett gehst. Weißt, dass das wahrscheinlich gelogen ist. Schwörst es dir trotzdem. Denkst dir, dass du deine Träume nicht aufgeben darfst. Auch wenn er nicht mehr neben dir liegt. Schlaf einfach ein.

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2 Gedanken zu “Von Traumwelten und 3.30 Uhr.

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