Wenn mich jemand fragt:„Wo kommst du denn her?“, antworte ich mit meinem Wohnort. Wenn ich übers Wochenende meinen Eltern besuche, fahre ich in die „Heimat“. Wenn wir von „Heimat“ oder noch allgemeiner von „Zu Hause“ sprechen, denken wir meist an unseren derzeitigen Wohnort. An den Ort, wo wir morgens aufwachen und abends einschlafen. An den Ort auf unserem Personalausweis. An Koordinaten und Entfernungen. Eine Straße, eine Postleitzahl, eine Hausnummer. Doch „zu Hause“ kann so viel mehr bedeuten. Kann so viel mehr sein, als ein einziger Ort oder Haus oder Stadt.

Zu Hause kann das Gefühl sein, wenn du dich nach einem langen, elendigen Tag aufs Bett legst, die Augen schließt und deinen Körper und deine Gedanken ruhen lässt. Kann ein Glas Wein sein. Oder vielleicht auch zwei oder drei nach einem anstrengenden und stressigen Tag sein. Kann der Ort sein, der dich runterbringt nach einem beschissenen Tag. Der all die Dinge, die dich vorher genervt oder runtergezogen haben, nichtig macht. Der alles einfach nicht mehr ganz so scheiße macht. Wie Glitzer auf Hundekot.

Zu Hause kann auch der Tumult sein, den du und deine besten Freunde machen, während ihr zusammen auf der Couch sitzt, mit einem Glas Gin Tonic oder Vodka Bull und zusammen eure Lieblings-Sitcom schaut. Kann das hysterische Lachen sein. Können die Tränen und das Schluchzen sein. Können gegenseitiger Komfort sein. Zu Hause ist, wo du, du selbst sein kannst. Ohne Maske und Fassade.

Zu Hause kann das Gefühl von Neugierde sein. Wenn du durch deine Nachbarschaft spazieren gehst. Kann der Kiosk in deinem Bezirk sein, oder dass die Bäckerfrau dich beim Namen kennt. Kann sein, dass du Straßen entlanggehst, die du vorher nicht kanntest. Orte entdeckst, von denen du nicht wusstest, dass sie in deiner Peripherie existieren. Kann sein, dass du manchmal gar nicht kilometerweit reisen muss um dich selbst zu finden. Zu Hause kann hinter der nächsten Ecke sein.

Zu Hause kann der Blick sein, den der dir gibt, bevor er dich küsst. Die Umarmung von ihm, wenn du ängstlich oder traurig bist oder einfach nur Zuneigung brauchst. Können die kleinen Dinge sein, die er tut. Wie zuhören und reden. Zu Hause ist, wo du all die Dinge so sagen kannst, wie du willst. Ungefiltert. Ungeschönt. Frei von der Seele heraus.

Zu Hause kann der erste Schluck von gutem Kaffee am Morgen sein, wenn die Welt um dich herum noch zu schlafen scheint und nur die Vögel draußen von den ersten Sonnenstrahlen erwachen. Kann dein Lieblingstrack von Taylor Swift sein. Laut aufgedreht, während du in Unterwäsche und Kniestrümpfen durch dein Zimmer tanzt. Zu Hause ist ein gutes Buch und ein heißer Tee, wenn die Tage kürzer werden und das Wetter kälter.

Zu Hause ist der Geruch von frisch gewaschener Wäsche, die draußen auf der Wäscheleine in der Sonne hängt. Kann der Küchentisch sein und die Narbe, wo du dich als Kind mit dem Mountainbike auf die Fresse gelegt hast. Ist, wo deine Erinnerungen und Momenten liegen, die dich zu dem gemacht haben, der du heute bist. Die Meilensteine deines Lebens. Eckpfeiler deiner selbst. Zu Hause ist, wo du alle die zerbrochenen Stücke von dir selbst und deinem Herzen aufgehoben und wieder zusammen geflickt hast.

Zu Hause ist nicht zwangsläufig der Ort, an dem du geboren worden bist. Oder der Ort am dem du grade lebst. Zu Hause ist der Ort, vor dem du nicht länger flüchten willst.

 

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Ein Gedanke zu “Von „Zu Hause“ und was das eigentlich bedeutet.

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