„Guten Morgen du wunderschöner Mensch! Hast du gut geschlafen?“

Oder ist es vielleicht schon zu spät? Du bist wahrscheinlich schon eine Weile wach. Vielleicht schon für Stunden. Vielleicht auch schon den ganzen Tag. Vielleicht ist es auch schon eine Weile her, dass jemand dich mit einem „Guten Morgen“ begrüßt hat. Auf ein „Wie geht es dir?“ antwortest du meist nur mit „Alles gut und selbst?“. Inhaltslose Phrasen auf bedeutende Fragen. Nie einen Moment daran verschwenden, dass hinter den Fragen vielleicht mehr steckt. Vielleicht Interesse ist. Doch du zuckst nur mit den Schultern. Vergräbst deinen Kopf zwischen ihnen. Versteckst dich. Denn eigentlich ist vieles gar nicht so ok. Ist vieles gar nicht so gut, wie du immer sagst. Besonders vielleicht heute. Wo es einfach nicht hell wird. Wo das Grau der Stadt nahtlos in den Himmel übergeht. Wo Wolken dein Gemüt bedecken. Wo deine Stimmung einfach ziemlich beschissen ist.

Gerade an solchen Tagen sehnen wir uns nach Aufmerksamkeit. Nach dem Gefühl, dass sich um uns gekümmert wird. An solchen Tagen, wo wir uns selbst verlieren und wir einfach nur von anderen gefunden werden möchten. Wie Kinder, die Verstecken spielen. Nur, dass ich mich schon lang versteckt habe und du immer noch am Zählen bist. Und an solchen Tagen kann ein simples „Guten Morgen“ die ganze Welt bedeuten.

Denn die What’s App Nachricht mit diesen 2 Worten und dem gähnenden Smiley dahinter ist weitaus mehr als eine dahingesagte Floskel. Sie ist ein Zeichen, dass jemand an uns denkt. Sich jemand um uns kümmert. Von jemandem, der gerade nicht bei uns sein kann. Es ist für uns wie eine Erinnerung. Eine Erinnerung, die wir vielleicht nicht brauchen sollten, weil uns Lifestylezeitschriften und Popkultur eingebläut haben unabhängig und stark zu sein. Aber manchmal verlangen wir sie einfach. Verlangen diese Erinnerung, dass wir wichtig sind.

Solltest du nun einer von diesen Menschen sein, der heute morgen aufgewacht ist und nicht eine solche Nachricht erhalten hat. Der von einem fürchterlichen Weckton aufgeweckt worden ist, anstatt von einem herzlichen „Guten Morgen“ und anstatt von dem Geruch frisch gebrühtem Kaffees, von 6 Newsletter-Mails zu Potenzsteigerungsmitteln und Wohnungsanzeigen, die man sich doch nicht leisten kann, begrüßt worden ist – hier ist was du wissen solltest:

Du hast das verdammte Recht auf einen fabelhaften Tag. Nicht wegen irgendeinem beknackten Naturgesetz oder Karma oder Alltagsweisheiten. „Gute Dinge passieren Menschen, die lange warten“ oder einfach Menschen, die morgens aufstehen, die Krone aufsetzen und der verdammten Welt zeigen, mit wem sie es eigentlich zu tun haben.  Wir haben das Recht auf einen fabelhaften Tag, weil wir es können und weil wir es einfach dürfen. Weil wir alle einen Recht darauf haben einen wunderschönen Morgen und einen fantastischen Tag zu haben. Unabhängig davon, wer uns mag oder wer uns liebt oder ob es da jemanden gibt, der einem nach dem Aufstehen sofort Textnachrichten sendet. Der einem Kaffee ans Bett bringt und zur Arbeit bringt. Nur weil es gerade niemanden um dich herumgibt, der dich in all deiner Fabelhaftigkeit schätzt, heißt nicht, dass du nur im Geringsten weniger verdienst, als dass aller Beste.

Gönn dir den Kaffee ganz allein und fahr einen kleinen Umweg zu Arbeit. Zeig der Welt wie wunderbar du bist. Denn du, du wundervoller Mensch bist so viel größer, so viel stärker und so viel fabelhafter um dich von so einer Kleinigkeit wie einer fehlenden „Guten Morgen“– What’s App unterkriegen zu lassen!

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