Ich weiß noch, wie sehr wir die Stadt in der Nacht liebten. Wenn die Straßen so leise waren, dass sie laut und stark mit uns sprachen. Mit jeder kleinen Stelle in unseren Körpern. Wenn die Gerüche des Alltags noch in der Luft lagen. Gerüche von unserem Lieblingsessen, von Emotionen und von all den Dingen, die passiert waren. Wenn der Geruch uns an eine Zeit erinnerte, die sorgenlos war. Sorgenfrei und gedankenlos. Die ganzen Reklameschilder in Neonfarben hell erleuchtet waren. So hell und froh, wie unsere Gedanken. Wie wir selbst. Leichtsinnig und unbekümmert durch die Straßen liefen. Uns verliefen. Verirrten in all den fremden Gassen. Als wir in eine neue Richtung gegangen sind und uns für unbefahrene Wege entschieden haben.

 

Ich weiß noch, wie sehr wir die Stadt in der Nacht liebten. Wie die Stadt gar nicht beängstigend war. Nicht mit dir. Wie nach Sonnenuntergang all die Nachtwandler und dunkle Figuren aus ihrem Schlaf erwachten. Wie sie gar nicht angsteinflößend waren. Sondern vielmehr ruhelos. Auf der Suche nach Stille und Frieden. Eine Insel der Seelenruhe inmitten des Chaos. Und wie froh ich war, diese Stille gefunden zu haben. In dir.

 

Ich weiß noch, wie sehr wir die Stadt in der Nacht liebten. Wenn die letzten Menschen, durch die Straßen taumelten. Deren Gedanken vernebelt. Deren Alltagsschmerzen betäubt. Wenn sie versuchten nach Hause zu finden. Zu Hause mehr als ein Ort, wo sie sich zugehörig fühlten, weniger als ein bestimmtes Apartment oder Haus. Als du mir Süßigkeiten gekauft hast, weil du weißt wie sehr ich mich nach Süßem in der Nacht sehnte. Als wir dachten, wir sein unbesiegbar. Ungebändigt. Freigeister. Und niemand kann uns was anhaben. Als wir mit billigen Weißwein vom Kiosk dort lagen, in den Himmel guckten, die Sterne zählten und uns Wolkentiere zeigten.

 

Ich weiß noch, wie sehr wir die Stadt in der Nacht liebten. Als wir auf der höchsten Etage von diesem Bürogebäude saßen. Es war einer deiner Lieblingsorte. Kein Handyempfang. Nur du und ich. Wo wir saßen und der Wind unsere Gedanken wegpustete. Unsere Gedanken an Sorgen und die ABERS, und WENNS und HÄTTE und SOLLTE und MÜSSTE. Als meine Hand aus Versehen deine berührte. Und aus Versehen natürlich absolut absichtlich und total geplant war. Als du mir in die Augen geguckt hast und sie Bände sprachen. Sie mir all die Dinge erzählt haben, die du nicht aussprechen konntest. Oder wolltest.

 

Es war fast wie in den Filmen. Wo ein Junge ein Mädchen trifft und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende. Nur, dass es eben in unserem Fall kein glücklich und noch weniger Ende gibt. Denn als ich meine Augen aufmachte und die Sonne schon aufgegangen war, so war die Nacht vorbei. Und du warst weg.

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